An die Arbeit

Chancen der Digitalisierung für eine menschlichere Arbeitswelt nutzen – den digitalen Wandel sozialverträglich gestalten

Die Arbeitswelt wandelt sich ständig. Aber die technischen Fortschritte der letzten Jahre und Jahrzehnte sind einmalig in der Menschheitsgeschichte. Zusätzlich hat Corona in den letzten Monaten viele Prozesse beschleunigt. Politik muss auf diese Veränderungen reagieren – und zwar schnell. Denn es ist absehbar, dass in den kommenden Jahren ganze Branchen verschwinden werden.

Das Internet und die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) haben seit den 2000er Jahren einen Siegeszug vollführt. Der Großteil der Menschen ist 24 Stunden am Tag durch das Smartphone mit dem Internet verbunden. Einkaufen, Telefonieren, Freunde treffen, Bankgeschäfte – fast alles geht per Knopfdruck oder per Mausklick. Auch in der Arbeitswelt übernehmen Maschinen immer mehr schwere und gefährliche Aufgaben. Aber viele Menschen blicken mit Sorge anstatt Optimismus in die Zukunft. Sie haben Angst davor, den Anschluss zu verlieren und letztendlich ihren Arbeitsplatz an eine Maschine zu verlieren. Die Beschäftigungsrisiken des digitalen Wandels dürfen nicht auf die einzelnen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abgewälzt werden.

Auf Ballhöhe bleiben

Die Halbwertszeit von Wissen hat sich verringert. Die ständigen und immer schneller verlaufenden technischen Entwicklungen führen dazu, dass Menschen immer stärker dazu gezwungen sind, sich weiterzubilden. Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, um allen Menschen die Möglichkeit für lebenslange Fort- und Weiterbildung zu ermöglichen. Auch der Zugang zu Umschulungen muss vereinfacht werden. Alle Menschen müssen die Möglichkeit haben, auf dem Arbeitsmarkt auf Ballhöhe zu bleiben.

Wir sind Industrieland und Land der Dienstleistungen. Die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungssektor übersteigt die Zahl der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe bei weitem. Dennoch gilt heute immer noch: Die Arbeit an der Maschine wird besser bezahlt als die Arbeit am Menschen. Diese Schieflage muss sich ändern.

Daher muss sich die SPD an der Seite der Gewerkschaften für faire Löhne und gute Aufstiegsmöglichkeiten auch im Dienstleistungssektor einsetzen. 

Corona hat uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig unsere solidarisch finanzierten Sicherungssysteme sind. Menschen, die sich in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, wie beispielsweise Minijobs und Werkverträgen befinden, profitieren von diesen kaum. Daher gehören diese Formen der Arbeitsverhältnisse dringend auf den Prüfstand. Parallel dazu müssen wir auch unsere sozialen Sicherungssysteme weiterentwickeln, damit sie den Herausforderungen unserer Zeit begegnen können.

Konkret schlage ich vor

  • Einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro pro Stunde.
  • Eine Überprüfung der Werkverträge und Minijobs.
  • Einen stärkeren Ausbau der Tarifbindung, kombiniert mit der Bevorzugung von Unternehmen, die sich an Tarifverträge halten. 
  • Ein individuelles Recht auf Fort-, Weiterbildung und Umschulung, auch in Teilzeit und in Zeiten der Arbeitslosigkeit.
  • Eine Ausbildungsplatz- und Übernahmegarantie, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
  • Einen Umbau der Arbeitslosenversicherung zu einer Arbeitsversicherung, die auch Fort-, Weiterbildungen und Umschulungen finanziert. Parallel dazu soll die Agentur für Arbeit zu einer Agentur für Arbeit und Fortbildung umgebaut werden.
  • Eine Anpassung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes an die digitale Arbeitswelt.